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Quick Info

In der jüngsten Zeit tauchen immer öfter Berichte auf, dass junge Leute sich von den Medien zu einem „transgender Hype“ verführen lassen. Solche Thesen werden überwiegend von rechten und evangelikalen radikalen Gruppen geäußert, die gegen eine vermeintliche „Genderideologie“ ankämpfen wollen.

Tatsächlich ist es so, dass jüngere Generationen viel offener und selbstbewusster mit ihrer Geschlechtsidentität umgehen als dies bspw. noch vor 40 Jahren der Fall war. Bei den früheren Generationen waren die Zahlen noch deutlich geringer. In den Medien wird das häufig als „transgender Trend“ oder „Modeerscheinung“ o.ä. gewertet. An der Stelle gebe ich immer zu bedenken, dass junge Leute von damals nicht den selben Zugang zu Informationsquellen hatten wie heute. In Lexika existierten Begriffe wie trans* noch nicht. Berichte dazu waren höchstens in Fachliteratur zu finden. Heute gelangt man durch die sozialen Medien viel eher an Informationen, die für eine Person selbst relevant sein könnten, so dass ein AHA-Effekt viel früher entsteht. Auch die Gesetzeslage hat sich insgesamt für LSBTI-Personen verändert. Als Beispiel kann u.a. die „Ehe für Alle“ genannt werden, wodurch in der Gesellschaft die Sichtbarkeit und die Akzeptanz von LSBTI-Personen insgesamt zugenommen hat. Gallup schreibt dazu:

One of the biggest recent advances in LGBT rights was the legalization of same-sex marriage nationwide. Gallup’s new estimates on same-sex marriages and domestic partnerships in the U.S. can be found here.

Es handelt sich also nicht um einen Trend, sondern wir erleben einen demografischen Wandel innerhalb der Gesellschaft, der dazu beiträgt, dass junge Menschen (viel früher als noch vor 40 Jahren!) den Mut finden zu sich zu stehen und ein klares Bekenntnis äußern wer sie sind.

Nachfolgend werden nun einige verlässliche Studien vorgestellt, welche darum bemüht sind diese doch sehr kleine Personengruppen zu erfassen.


IPSOS (2021)

Laut einer Studie von IPSOS identifizieren sich etwa 4% der Generation Z (1997+) als trans* bzw. sie verabschieden sich von den binären Rollenbildern und bezeichnen sich u.a. als nicht-binär oder genderfluid.

Die IPSOS Studie ist hier nachzulesen (englisch):

https://www.ipsos.com/en/lgbt-pride-2021-global-survey-points-generation-gap-around-gender-identity-and-sexual-attraction


Gallup (USA 2020)

Ähnlich wie bei der IPSOS Studie wurde auch hier die Entwicklung der unterschiedlichen Generationen untersucht. Laut Gallup identifizieren sich etwa 1,8% der Generation Z als trans*. Befragt wurden 15.349 Erwachsene.

https://news.gallup.com/poll/329708/lgbt-identification-rises-latest-estimate.aspx


Williams Institute (USA 2016)

Das Williams Institute fand 2016 heraus, dass sich im Schnitt etwa 0,6% der erwachsenen Bevölkerung (ca. 1,4 Mio) als trans* identifizieren.

https://williamsinstitute.law.ucla.edu/publications/trans-adults-united-states/


Meyenburg / Zeitschrift f. Sexualforschung (DE 2015)

Bernd Meyenburg untersuchte im Jahr 2015 in seiner Studie insgesamt 670 Gutachten nach dem TSG und kam zu dem Ergebnis, dass trans* Frauen (MannZuFrau) leicht weniger sind als trans* Männer (FrauZuMann). Jedoch liegt der Altersunterschied bei trans* Frauen deutlich höher.

Kommentar dazu (nicht Teil der Studie!): Das liegt vermutlich überwiegend daran, dass trans* Frauen erst im höheren Alter den Mut finden, weil es in patriarchalen Strukturen nach wie vor als gesellschaftlicher Statusverlust gewertet wird vom Status „Mann“ in den Status „Frau“ zu wechseln. Das ist nach wie vor ein Hemmnis für trans* Frauen. Auch ist eine medizinische Transition für trans* Frauen schwieriger, weil bspw. ein Stimmbruch oder eine maskuline Knochenstruktur (Gesicht, breite Schultern) nicht durch Hormonbehandlung rückgängig gemacht werden kann . Für trans* Männer kann es hingegen als eine Art sozialer Errungenschaft gewertet werden, da der Wechsel in die männliche Rolle innerhalb des Patriarchats oft als sozialer Aufstieg wahrgenommen wird. Zudem ist eine medizinische Transition im Vergleich zur Transition bei MzF häufig leichter; denn mit Beginn der Hormonbehandlung finden oft sehr zeitnah Veränderungen statt, welche in der Gesellschaft als „männlich“ verstanden werden, wie z.B. Bartwuchs oder tiefere Stimme. Das erleichtert das Passing, also die Wahrnehmung, in der angestrebten Geschlechtsrolle enorm.

https://www.researchgate.net/publication/282549200_Begutachtung_nach_dem_Transsexuellengesetz