Um das #gendern wird in der öffentlichen Debatte sehr viel gestritten. Auf die einzelnen pro und contra Argumente will ich daher gar nicht im Detail eingehen, sondern nur sachlich aufklären WAS #gendern ist, WIE gegendert wird und WARUM.
Unter #gendern versteht man im Allgemeinen einen geschlechterbewussten Sprachgebrauch sowohl in der schriftlichen als auch in der gesprochenen Sprache. Dabei wird unterschieden zwischen zweigeschlechtlichen, binären Formen und mehrgeschlechtlichen Kurzformen mit Genderzeichen, die neben männlichen und weiblichen auch nichtbinäre, diversgeschlechtliche Personen ansprechen und einbeziehen wollen. Allgemein werden neutrale Formen empfohlen, die ohne Geschlechtsbezug auskommen. (wikipedia, abgerufen am 08.01.2022)
Tatsächlich handelt es sich beim Begriff #gendern jedoch um eine Fehlinterpretation, denn das Ziel ist die Neutralisierung von geschlechtsbezogener Sprache. Das bedeutet, wir reden eigentlich über das ENT-gendern.
In der medialen Berichterstattung wird bei Verwendung des Gendersternchens (oder auch Genderdoppelpunkt) die Sichtbarmachung von Frauen gemeint. Doch das „Sichtbarmachen“ von Frauen existierte schon viel früher. Die ersten Versuche entstanden in den 1940er Jahren und wurden später (u.a. durch eine Konvention der Vereinten Nationen) in den 80er, 90er oder Anfang der 2000er Jahren mit unterschiedlichen Schreibweisen eingeführt. Zu der Zeit wurden u.a. folgende Formen des Genderns verwendet
- das Binnen-I (z.B. BürgerInnen)
- der Bindestrich (z.B. Bürger/-innen)
- der Unterstrich „Gender-Gap“ (z.B. Bürger_innen)
- die Doppelnennung (z.B. Bürger und Bürgerinnen)
Im Anschluss tauchte erst das Gendersternchen (der sogenannte Asterisk, also *) auf, was eigentlich ein Trans-Sternchen ist. In der trans* Community existierten zahlreiche Selbstbezeichnungen wie bspw. transgender, transsexuell, transident, trans-weiblich, trans-Mann, usw.. Einige lehnten bspw. die Bezeichnung transsexuell ab, weil sie sich von der Sexualität distanzieren wollten um darauf aufmerksam zu machen, dass es eher um die Identität eines Menschen geht und nicht um seine sexuelle Orientierung, womit der Begriff häufig assoziiert wurde. Um all diese Selbstbezeichnungen inklusiv auch in der Schreibweise zu gestalten verwendete Anfang der 200er Jahre der Gründer des Vereins Transmann e.V. die Schreibweise mit dem Sternchen, also trans*. Das Sternchen dient dabei als Platzhalter, so wie es auch in der Informatik, (z.B. in Suchformularen) seit den 1960er Jahren genutzt werden kann. Es ersetzt alle Bezeichnungen, die hinter dem Wortstamm trans stehen.
Wie sehen die Empfehlungen aus?
Die Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit von Informationstechnik (BFIT-Bund) empfiehlt das Gendern mit dem Sternchen. In einer lange durchgeführten Studie heißt es abschließend:
Die Zielgruppenbefragung ergab die Empfehlung zur Verwendung des Asterisks (Genderstern).
…
Auf Grundlage so gewonnener Erkenntnisse spricht sich BFIT-Bund in dieser Empfehlung für die Verwendung des Asterisks in digitalen Anwendungen aus.
Quelle:
- https://www.bfit-bund.de/DE/Publikation/empfehlung-gendergerechte-digital-barrierefreie-sprache-studie-koehler-wahl.html
- PDF Download | PDF Download (extern)
https://www.dbsv.org/gendern.html
https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/geschlechtergerechte-sprache-2022/
https://gb.uni-koeln.de/gendersensible_sprache/index_ger.html
Phettberg-Methode
Eine weitere und eher unbekanntere Variante des #genderns ist die sogenannte Phettberg-Methode, bei der ein Y am Ende des Wortstammes angehängt wird. So wird aus Ärzt*in dann Ärzty, aus Bäcker*in wird Bäcky, usw. Das hat zum einen den Vorteil, dass ein Sonderzeichen – wie der Asterisk – umgangen wird um die Lesbarkeit zu erleichtern. Aber auch lange Wortschöpfungen wie z.B. „Bürger*innenmeister*innengehilf*innen“ werden zu kürzeren Varianten wie „Bürgymeistygehilfy“ zusammengeschrumpft.
Siehe auch:
- https://www.deutschlandfunkkultur.de/entgendern-nach-hermes-phettberg-bis-das-arzty-kommt-100.html
- https://www.stern.de/gesellschaft/gendern-mit-y–sprachforscher-schlaegt-aerzty-statt-aerzt-innen-vor-30467248.html
- https://www.spiegel.de/politik/deutschland/gendergerechte-sprache-leichter-gendern-mit-phettberg-kolumne-a-ae5da027-0002-0001-0000-000176418810
Movierung
Movierung oder Motion bezeichnet in der Sprachwissenschaft die Ableitung neuer Wörter aus bestehenden zur konkreten Angabe des Geschlechts.
Mit gleichgestellter Movierung werden alle Geschlechter auf gleiche Weise spezifisch adressiert.
Für spezifisch männliche Adressierung gibt es damit eine eigene movierte Ableitung mit dem Suffix -an, analog zur klassischen weiblichen mit -in.
Mehr unter:
Genderhilfen
Wörterbücher bzw. Apps, die beim gendern unterstützend sein können: